Das Kirchspiel Crainfeld und seine Pfarrkirche

Die heutige evangelische Kirchengemeinde Crainfeld blickt auf eine mehr als ein Jahrtausend währende Geschichte zurück. Zugleich ist sie, nach der Auflösung des Gerichts und der Verlagerung der Verkehrswege im 19. Jahrhundert, die einzige Institution, die heute noch von der einstmals großen regionalen Bedeutung Crainfelds kündet.

Die Anfänge des Christentums im Vogelsberg werden auch heute noch sehr häufig mit dem Namen des heiligen Bonifatius verknüpft. Einer populären Darstellung zufolge solle der angelsächsische Missionar, zugleich Bischof von Mainz und Gründer des Klosters Fulda, in dem nach ihm benannten "Bonifatiusborn" auf dem Taufstein, der 773 m hohen höchsten Erhebung im Vogelsberg, die ersten Christen der Gegend getauft haben. Eine andere Sage berichtet von der "Bonifatiuskanzel" auf der Herchenhainer Höhe, einer Felsformation, von der aus Bonifatius zu den Heiden gepredigt habe.

Tatsächlich gibt es keinen Beleg dafür, dass sich Bonifatius zu seinen Lebzeiten wirklich im Vogelsberg aufgehalten hat und dieser zu seinem Missionsgebiet gehörte. Gesichert ist hingegen, dass die Gebeine des am 5. Juni 754 in Friesland erschlagenen Bonifatius, nachdem sie zunächst nach Mainz gebracht worden waren, von dort über alte Straßen und Wege durch Wetterau und Vogelsberg zu seiner letzten Ruhestätte in der Klosterbasilika in Fulda (heutiger Dom St. Salvator) überführt wurden. Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Grebenhain bewegte sich der Trauerzug, nach dem gegenwärtigen Forschungsstand, über den Bonifatiusbrunnen (heute Meyerbruchquelle) im Oberwald, die "Burg" und den Klöshorst zwischen Grebenhain und Ilbeshausen-Hochwaldhausen weiter zur Vaitshainer Höhe und schließlich zum Heerhain zwischen Nösberts-Weidmoos und Altenschlirf.



Ansicht der Crainfelder Kirche von Osten um 1900. Links im Vordergrund der Giebel von Bergbalzerjes, rechts von der Kirche das Pfarrhaus und davor das evangelische Gemeindehaus.

Zum Zeitpunkt der Bonifatius-Überführung war der Vogelsberg in weiten Bereichen noch kaum oder gar nicht besiedelt. Die Neusiedler, die verstärkt ab dem beginnenden 9. Jahrhundert aus der bereits dicht besiedelten Wetterau entlang der Täler in das Mittelgebirge vordrangen, waren längst Christen. Mit dem zunehmenden Landesausbau, der insbesondere durch das Kloster Fulda mehr oder weniger systematisch vorangetrieben wurde, kam es auch zum Ausbau der Kirchenorganisation und zur Gründung der ersten Pfarreien.

Eines der ersten Großkirchspiele am östlichen Rand des Vogelsberges war Großenlüder, dessen Pfarrei 822 errichtet wurde. In ihren Ausläufern bis in den Vogelsberg hinein reichte auch die in einer späteren Abschrift der Urkunde auf das Jahr 860 datierte Pfarrei Salmünster. Ebenfalls nur kopial überliefert ist die 885 erfolgte Weihe einer Kirche zu Slierefa, wobei nicht klar ist, ob es sich bei diesem Ort um das heutige Bad Salzschlirf oder um Altenschlirf handelt. Im letzten Fall wäre der heutige Stadtteil von Herbstein Sitz der ersten Pfarrei im hohen Vogelsberg gewesen. Aus späterer Zeit ist allerdings eindeutig belegt, dass Altenschlirf bis zur Reformation nach Herbstein eingepfarrt war.

Vermutlich um 900 wurde die Pfarrei Reichenbach (heute Unterreichenbach) gegründet, deren Grenzbeschreibung schon bis zur Lüderquelle an der Herchenhainer Höhe reichte und damit schon Teile des hohen Vogelsberges umfasste. Der Bereich der späteren Pfarreien Crainfeld und Wingershausen lässt sich jedoch keinem der älteren Großkirchspiele zuordnen. Möglicherweise wurde es erst mit der zunehmenden Siedlungstätigkeit und dem Landesausbau um die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert notwendig, auch dieses Gebiet kirchlich besser zu versorgen.

Die Gründung der Kirche zu Crainfeld

Unter Erkanbald, der von 997 bis 1011 Abt von Fulda und von 1011 bis zu seinem Tod 1021 Erzbischof von Mainz war, wurden zwei Pfarreien im hohen Vogelsberg eingerichtet, und zwar in Crainfeld und in Wingershausen. Die Urkunden der Kirchengründung sind nicht im Original erhalten geblieben, sondern nur in einer Abschrift durch den Fuldaer Mönch Eberhard aus der Mitte des 12. Jahrhunderts überliefert. Eberhard datierte die Weihe der Kirche zu Crainfeld auf das Jahr 1020, die der Kirche zu Wingershausen auf 1016. Der von ihm überlieferte Text der Urkunde in lateinischer Sprache lautet:

De dedicatione et terminatione ecclesie in Creinfelt.

Anno ab incarnatione domini millesimo XX., indicatione II., dedicta est ecclesia in Creinfelt ab Erkenbaldo Mogantino archiepiscopo in honore sancti Odalrici episcopi et con(fessoris).

Et hic est termincus eiusdem ecclesie: De Musesprinc sursum usque ad Berhtoltessneite; inde ad fontem sancti Bonifacii; inde ad Hasenbach; inde usque ad Hasalaha; deinde in Slirefam fluvium; deinde usque ad Nortenhouh; inde usque ad Steigeram; inde ad Holesbergen; inde Mosaha; sursum usque ad Mosursprinc. Dodata est eadem ecclesia cum huba in Burchartesrode et cum decimatione, que in Suigereshusen datur.

Quelle: Heinrich Meyer, Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda, Marburg 1995, S. 326

Aufgrund der Veröffentlichung der Fuldaer Stiftsurkunden durch Johann Friedrich Schannat (1724) und Ernst Friedrich Johann Dronke (1824) war lange Zeit nur die Fassung Eberhards öffentlich bekannt. Die Originalurkunden wurden im Dreißigjährigen Krieg vernichtet. Von ihrem Inhalt existiert jedoch noch ein Abdruck, der 1607 durch Johannes Pistorius den Jüngeren veröffentlicht worden ist. Nach ihm wurde die Kirche zu Crainfeld in dem Jahr geweiht, in dem Erzbischof Erkanbald auch noch Abt von Fulda war. Hierfür kommt jedoch nur das Jahr 1011 in Frage. Die 1000-Jahr-Feier der Pfarrei Crainfeld fand denn auch im Jahr 2011 statt, während die vorherigen Feiern zum 950- und 900-jährigen Kirchenjubiläum der Überlieferung Eberhards folgend noch in den Jahren 1970 und 1920 begangen worden waren.

Der Urkunde zufolge wurde die erste Crainfelder Pfarrkirche dem heiligen Ulrich geweiht, dem 993 heiliggesprochenen Bischof Ulrich von Augsburg, der zwischen 890 und 973 lebte und maßgeblichen Anteil am Sieg des deutschen Königs Otto I. über die Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg hatte. Weiterhin wird mitgeteilt, dass die neue Pfarrei mit einer Hube in Burkhards und dem Zehnten in Schwickartshausen ausgestattet worden ist.

Die in der Urkunde von 1011 beschriebene Kirchspielsgrenze begann an der Quelle der Moos, dem Moosborn, zog dann zur Bertholdsschneise nördlich von Bermuthshain etwa im Gebiet der späteren Wüstung Schershain, dann zum Bonifatiusbrunnen, der heutigen Meyerbruchquelle im Oberwald, und von dort in östlicher Richtung zum Hasenbach (Schwarzer Fluss bei Ilbeshausen). Von dort verlief die Grenze zunächst entlang der Altfell im Gebiet der Disselbrücke nördlich von Ilbeshausen, dann über den Herhain und die Heitz bei Nösberts zum Steiger zwischen Heisters und Zahmen. Ab da zog der Grenzverlauf in südlicher Richtung über den Horst bei Gunzenau und entlang der Moos bis zu seinem Ausgangspunkt zurück.

Die Pfarrei Crainfeld im Mittelalter

Zum nächsten Mal erwähnt wird die Kirche zu Crainfeld in der Urkunde über die Gründung und Weihe der Kirche zu Breungeshain vom 25. März 1067. Hierin wurde festgelegt, dass unter anderem der Zehnt in Crainfeld und Wingershausen der neuen Kirche zustand. Erst im 14. Jahrhundert wird die Überlieferung umfangreicher. Aus dieser Zeit stammen mehrere Urkunden, die einen dem heiligen Nikolaus geweihten Altar zu Crainfeld nennen. Hierbei ist ungewiß, inwieweit dies als Beleg für einen Wechsel des Patroziniums der Crainfelder Kirche zu werten ist. Denkbar ist ebenfalls, dass das Gotteshaus im Mittelalter mehrere Altäre aufwies, zumal für diese Zeit auch mehrere Pfarrstellen belegt sind (s. u.).

Innenraum der Crainfelder Kirche um 1900, vor der großen Renovierung von 1934.

Erstmals wird der St. Nikolaus-Altar zu Crainfeld in einer Urkunde vom 2. April 1342 erwähnt. Demnach gehörte zu ihm ein Anteil von fünf Achteln an einer Korngülte (Pachtzins) in Kilianstätten, der zuvor im Besitz von Winter und Katherine von Rohrbach gewesen war. Derselbe verpfändete in einer Urkunde vom 19. April 1357 mehrere Grundstücke bei Kilianstätten an den St.Nikolaus-Altar zu Crainfeld. Fast vier weitere Jahrzehnte lang hatte die Pfarrei Crainfeld auf diese Weise Besitzungen in der Wetterau. In einer Urkunde vom 3. Juli 1396 wurde die Korngülte schließlich an das Kloster Arnsburg verkauft. Diese Urkunde ist auch deshalb bemerkenswert, weil sie das älteste Schriftstück ist, das eine Reihe von Crainfelder Orts- und Gerichtspersonen, darunter den Schultheiß, damals als "Zentgraf" bezeichnet. Ihr Inhalt, in Frühneuhochdeutsch verfasst, lautet:

Wir Heinrich Kleyngedang pastor der kirchen zu Creyenfeld, Iohan Wagenhusen altariste des altaris sencte Nyclas daselbis, Heincze Erpe von Grebenhen, Concze Molner von Creyenfeld, bumeistere unde vormünder derselben kirchen und altaris, unde wir die scheffene unde gemeynde zu Creyenfeld und darczu die parlude gemeynliche der iczuntgenanten kirchen bekennen uffentliche in diesme geynwortigen briefe vor uns, unser nachkommende unde unser erben der egeschreben unser kirchen, altaris und dorffes zu Creyenfeld und dun kunt allen den, dy diesen brieff sehent, horent ader lesent, daz wir sementliche unde eyndrechtliche han besonnen unde gewegen daz allernoczlichste unde daz beste alse von der funff achteyl korngulde wegen, die daz obgeschreben altar sencte Nyclas in der termenye des dorfes zü Kylianes Steden ierliches fallende sal haben, und dieselben gulde deme vorgenanten altare ierliches uszebliben und virhindert wird, also daz vorgenante altar die gehabet hat und alse verre uns gedenket, ny keynes iares eme ader uns gnoszentliche ader genczliche beczalet mochte werden; want si deme obgeschreben altare, altaristen und bumeisteren ist entlegen, also daz sie die gude und gulde noch erme willen unde nocze nyt enmorgen bestellen. Herumbe uf daz wir alse vele ader mere sicherer unde basz gelegener gulde deme vorgenanten altar an der obgenanten gulde stad gekeüfen und geczugen umbe daz, daz godis lob und des heilgen herren sencte Nyclas ewecliche darane vestentliche blybe, so han wir mit vorbedachteme, beraden mude sementliche unde eyndrechtliche, mit rade, willen unde wiszen des erwirdigen, in gode vaters unde herren, hern Iohan aptes zu Folde, unsers lieben gnedigen herren, der eyn patrone unde beschirmer ist der obgeschreben kirchen unde altares, virkaufft unde virkeufen eynes rechten starken, ewigen virkaufes den ersamen, geistlichen herren, deme apte unde convente gemeynliche zu Arnsburg unde erme clostere, ordins von Cistereien in Menczer bischtum gelegen, die obgenanten funff achteil kornes Frankinforter moszes ierlicher ewiger gulde, gelegen sint in der termenye des dorfes zü Kilianes Steden, alse der brief uszwiset, den wir daruber gehabet han, und wir nu den den geistlichen herren von Arnsburg und erme clostere mit disme kauffe han gegeben; uf denselben guden sie unde er clostere auch funff achteyl kornes ierlicher gülde vore gehabet han. Umbe diese erstgenanten funf achteyl kornes ierlicher gulde, die wir den vorgenanten geistlichen herren von Arnsburg unde erme clostere, alse vorgeschreben stet, virkaufet han, hant sie uns gegeben unde gutliche beczalet vor gift dieses briefis funff unde zwenczig gulden gut von gulde und wole gewegen, alse sie zu Frankinford genge und gneme sint, unde sagen wir sie derselben summe geldis in diesme geynwortigen briefe ledig qwiid unde locis .... Datum anno domini MoCCCo nonagesimo sexto, secunda feria proxima post festum beatorum Petri et Pauli apostolorum.

Quelle:Reimer, Heinrich: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. 4. Bd., Leipzig 1897, S. 634-635

Die mittelalterliche Pfarrei Crainfeld hatte einen weitaus größeren Gebietsumfang als das heutige evangelische Kirchspiel. Es überschritt dabei auch die Grenzen weltlicher Herrschaftsbereiche und umfasste sowohl das ziegenhainische und ab 1450 hessische Gericht Crainfeld als auch das blankenwaldische, ab 1338 eisenbachische und ab 1428 riedeselische Gericht Moos sowie Teile des ebenfalls riedeselischen Gerichts Schlechtenwegen.

Insgesamt waren 16 Dörfer nach Crainfeld eingepfarrt, nämlich Bannerod, Bermuthshain, Crainfeld, Grebenhain, Heisters, Ilbeshausen, Metzlos, Metzlos-Gehaag, Nieder-Moos, Nösberts, Ober-Moos, Steinfurt, Vaitshain, Weidmoos, Wünschenmoos und Zahmen. Zu diesen Orten sind auch noch die im späten Mittelalter wüst gewordenen Siedlungen wie Hirschrod und Kuhlhain in der Gemarkung Crainfeld oder Schershain in der Gemarkung Grebenhain zu rechnen, so dass die Crainfelder Kirche im Hochmittelalter die Mutterkirche von etwa zwei Dutzend Ansiedlungen und Siedlungsplätzen gewesen ist.

Neben der Mutterkirche in Crainfeld gab es mehrere Filialkirchen. Dies waren die Kirche in Grebenhain, die Kapelle in Ilbeshausen und die Altebergs-Kapelle am Ilbeshäuser Friedhof, die Kirche von Nieder-Moos zwischen Nieder- und Ober-Moos, die Kapelle in Heisters und die Kapelle in Metzlos. Es überrascht daher nicht, dass in der Urkunde von 1396 neben dem Pastor auch ein Altarist als zweiter (stellvertretender) Geistlicher erwähnt wird.

Das Ende des Großkirchspiels Crainfeld kam noch vor der Einführung der Reformation. Im September 1524 setzte Hermann III. Riedesel zu Eisenbach eigenmächtig den Priester Walter Eschenröder (auch Schüßler genannt) als Pfarrer im Mooser Grund ein und vollzog damit die Loslösung von der Mutterkirche in Crainfeld. Der damalige Crainfelder Pfarrer Ludwig Wagenhausen erhob sofort Widerspruch gegen die nach Kirchenrecht unzulässige Abtrennung von Nieder-Moos als eigener Pfarrei durch die Riedesel und schrieb am 13. März 1525 an Abt Johann II. von Fulda:

Wiewohl die nachbenamten 12 Orte mit Namen: Obermoß, Niedermos, Metzlos, Atzelgehaw, Windischmoos, Zamen, Heystrolfs, Bannerode, Steynfort, Noßbers, Wytmaß und Vogtshain zu der Pfarrkirche Kreynfeldt gehören und mich als Pfarrer gehabt, und dies über 400 Jahre der Fall, so untersteht sich Herr Walter Schüßler, Priester zu Moos wohnhaft, seines Vorgebens aus Vertröstung der ehrenfesten Junker Hermann und Theodor Riedesel in der Kapelle zu Metzlos, so doch zur Pfarrkirche zu Kreynfeld gehörig, zu amtieren und in den 12 Ortschaften eine Pfarrei herzurichten.

Quelle: Hermann Knodt: Beiträge zur Ortsgeschichte des Kreises Lauterbach, in: Geschichtsblätter für den Kreis Lauterbach, Januar/Februar 1916

Doch alle Versuche, die Abspaltung der Pfarrei Nieder-Moos von Crainfeld rückgängig zu machen, blieben erfolglos, wozu die anbrechende Reformation nicht wenig beigetragen haben dürfte. Fortan bestand das Kirchspiel Crainfeld neben dem Mutterort nur noch aus Grebenhain, Bermuthshain und Ilbeshausen.

Die Entwicklung seit der Reformation

Ab 1525 setzte Landgraf Philipp I. der Großmütige von Hessen, der sich der protestantischen Lehre zugewandt hatte und einer ihrer eifrigsten Förderer wurde, in seinem Land die Reformation durch, die nach und nach in allen Pfarreien des Landes eingeführt wurde. Am 14. November 1527 wurde auch in Crainfeld der katholische Pfarrer Ludwig Wagenhausen seines Amtes enthoben. Dies geschah, nachdem bei einer im selben Jahr durchgeführten Visitation festgestellt worden war, dass er in der Bibel sehr wenig Bescheid wusste. Erster evangelischer Pfarrer in Crainfeld wurde Andreas Nerzig. Mit der Einführung der Reformation stand gleichzeitig die Besetzung der Pfarrstelle zu Crainfeld nicht mehr, wie seit der Gründung, dem Abt von Fulda, sondern dem Landgrafen von Hessen zu.



Ansicht der Crainfelder Kirche von Süden in der Amtszeit von Pfarrer Karl Frank (1911 bis 1927).

Einen tiefen Einschnitt stellte die Zerstörung des Dorfes Crainfeld im Dreißigjährigen Krieg dar, die am 1. Juni 1622 beim Durchmarsch der Armee Herzog Christians von Braunschweig-Wolfenbüttel (genannt "der tolle Christian") geschah. Soldaten eines Reiterregiments unter dem Oberst Graf Wolfgang Ernst von Isenburg-Büdingen, das als besonderes Kennzeichen rote Hüte trug, plünderten zunächst das Amtshaus in Crainfeld aus und steckten es in Brand. Es war dies ein Racheakt des Isenburger Grafen gegenüber dem Crainfelder Förster und Schultheiß Velten Petri, der als Marschkommissarius zuvor mehrere Truppendurchzüge am hessischen Gebiet vorbei ins isenburgische Land gelenkt haben sollte, nun aber rechtzeitig hatte fliehen können. Als das Haus des Schultheißen in Flammen stand, war dies für die Soldateska das Signal, auch alle übrigen Häuser zu plündern und anzuzünden.

Insgesamt 114 Gebäude in Crainfeld wurden zerstört, darunter auch die Kirche und das Pfarrhaus. Nur acht Häuser blieben stehen. Nach den Aufzeichnungen des damaligen Pfarrers Philipp Dippelius schrieb rund ein Jahrhundert später sein Nachfolger Friedrich Wilhelm Köhler, dass beynahe das gantze Dorf Crainfeld, benebst dem Pfarr-Haus und der Kirchen sammt Allem, was darinnen vorhanden gewesen, in die Asche geleget worden, also daß nicht das geringste gleichwie von Kirchen-Büchern also auch des Pfarrers eygenen Büchern und Mobilia überblieben, wodurch dann alle vorhanden gewesene Kirchen-Documenta im Rauch auf und verlohren gegangen (nach: Dieffenbach, Philipp: Auszug aus dem Tagebuche einer im Auftrag des historischen Vereins unternommenen Reise. Zweite Abtheilung, den nördlichen und östlichen Theil der Provinz Oberhessen betreffend, in: Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde, Erstes Heft 1846, Teil IV.  S. 116, Anm. 156).

Wahrscheinlich wurde, wie in anderen hessischen Orten schon seit den 1580er Jahren infolge von Kirchenvisitationen vorgeschrieben, bereits Ende des 16. Jahrhunderts vom Crainfelder Pfarrer ein Kirchenbuch zum Eintrag von Geburten und Taufen, Konfirmationen, Kopulationen (Eheschließungen) und Sterbefällen geführt. Dieses wurde wie alle anderen Kirchendokumente ein Raub der Flammen. Das älteste erhaltene Kirchenbuch wurde im Jahr 1659 von Pfarrer Johann Georg Köhler angelegt. 1728 wurde es neu gebunden. Diese Maßnahme stand schon im Zusammenhang mit einem weiteren Einschnitt in der Geschichte des Kirchspiels Crainfeld.

Am 20. Mai 1728 wurde der bisherige Filialort Ilbeshausen von Crainfeld abgetrennt und zu einer eigenen Pfarrei erhoben. Ausschlaggebend hierfür war wohl die weite Entfernung Ilbeshausens von seiner Mutterkirche, die in einer Zeit der Fußläufigkeit mehr als eine Stunde auf teils schlechten Wegen, insbesondere im Winter, entfernt war. Auch der Crainfelder Pfarrer musste bis 1728 alle zwei Wochen den nicht immer unbeschwerlichen Gang nach Ilbeshausen antreten. Zum ersten Pfarrer von Ilbeshausen wurde Johannes Keyser ernannt, dessen gleichnamiger Großvater bereits die Pfarrstelle in Crainfeld innegehabt hatte. Auch das erste Kirchenbuch von Ilbeshausen steuerte insofern die Pfarrei Crainfeld bei, als das alle Ilbeshausen betreffenden Seiten aus dem Crainfelder Kirchenbuch herausgeschnitten und neu zusammengebunden wurden.

Fast zwei Jahrhunderte bildeten nun Crainfeld, Grebenhain und Bermuthshain das Kirchspiel Crainfeld. Am 1. August 1920 wurde die 900-Jahr-Feier der Gründung der Pfarrei, gerechnet nach der Datierung im Codex Eberhardi, begangen. Die Festveranstaltung morgens mit einem Gottesdienst durch Pfarrer Karl Frank und den Dekan Müller. Am Nachmittag führte der Oberpfarrer von Schlitz, Hermann Knodt, der auch ein engagierter Heimatforscher und Genealoge war, in einem Vortrag in die Geschichte des Kirchspiels ein. Knodt hatte auch eine Festschrift zur Geschichte der Pfarrei Crainfeld verfasst.

Im Rahmen der 900-Jahr-Feier wurde aber auch die Gemeinde Vaitshain feierlich als neuer Filialort, nach fast 400 Jahre dauernder Zugehörigkeit zur Pfarrei Nieder-Moos, im Kirchspiel Crainfeld begrüßt. Die Angliederung von Vaitshain hatte ähnliche Gründe wie einst 1728 die Ausgliederung von Ilbeshausen, nämliche die weite Entfernung zur Mutterkirche. Bereits in den Jahren vor 1920 hatten die Vaitshainer fast nur noch die Kirche in Crainfeld zu den Gottesdiensten besucht.

Ihrem Bekenntnis und der Liturgie nach ist die Pfarrei Crainfeld heute nicht mehr lutherisch, sondern "uniert". Dies ist eine Folge der Gründung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) im Jahr 1947. Die EKHN ist Rechtsnachfolgerin der 1933 gegründeten Evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau, welche kurz nach der Machtübernahme der NSDAP als Zusammenschluss der lutherischen bzw. reformierten Landeskirchen von Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Waldeck, Nassau und Frankfurt gebildet wurde. Als unierte Landeskirche ist ihre Liturgie eine Mischung aus lutherischem und reformiertem Bekenntnis.

Die Crainfelder Pfarrer

Während die Errichtung der Pfarrei Crainfeld bereits für 1011 urkundlich bezeugt ist, bleiben die dort wirkenden Geistlichen aufgrund der fehlenden schriftlichen Überlieferung fast bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts namenlos. Eine durchgehende Liste aller in Crainfeld wirkenden Pfarrer kann im Grund erst seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges aufgestellt werden, da alle älteren örtlichen Kirchendokumente bei der Brandschatzung am 1. Juni 1622 ein Raub der Flammen wurden. Die vorherigen Ortsgeistlichen sind im Grund nur aufgrund von zufälligen Erwähnungen in Urkunden und anderen Schriftstücken bekannt.

So ist das älteste Dokument, in dem ein Pfarrer in Crainfeld erwähnt wird, eine 1344 ausgestellte ziegenhainische Urkunde. Hierin bekundet ein Wigand Fraß, Priester und Pfarrer zu Creenvelt, daß er mit der Stockwiese vor Ziegenhain, welche sein verstorbener Vater der Herrschaft Ziegenhain aufgetragen hatte, belehnt gewesen und sie so lange inne gehabt habe, bis er Geistlicher geworden ist, worauf er sie seinem Bruder Konrad überlassen habe.

Als nächstes wird in einer Urkunde vom 7. April 1361 Bertold Wenner von Geylnhusen, eyn pastor zu Kreynfelt genannt. Ihm verkauften die Eheleute Henz und Adelheid Lange einen Weingarten bei Selbold. In einer Urkunde aus dem gleichen Jahr wird er als Zeuge beim Verkauf einer Korngülte von Äckern bei Eidengesäß erwähnt. Gleiches gilt für eine Urkunde vom 16. Mai 1368 über die Übereinkunft zwischen dem Kloster Himmelau und Adelheid von Mosbach, Nonne zu Meerholz, über die Nutzung eines Gutes zu Haitz. In einer Urkunde vom 22. November 1369 verkauft das Kloster Meerholz siebeneinhalb Morgen Wiesen dem berscheiden manne, hern Bertolde Wenner pastor zu Kreynfelt. Zum letzten Mal findet Bertold Wenner als Zeuge in einer Urkunde vom 31. Juli 1370 über die Belehnung des Gerhard von Neuses durch Adelheid von Mosbach mit ihrem Gut in Neuses Erwähnung.

In der bereits zitierten Urkunde vom 3. Juli 1396 werden Heinrich Kleyngedang als Pfarrer der Crainfelder Kirche und Iohan Wagenhusen als Altarist des dortigen St. Nikolaus-Altars genannt. Am 30. August 1437 wird die Beilegung eines Streits zwischen dem Fzldaer Konvent und Johann von Aula beurkundet. Anlässlich dessen wird ein Johannes Nuene als Pfarrer in Creyenfelt genannt. Danach schweigen die historischen Quellen wieder, diesmal für fast ein Jahrhundert, bis nach dem Beginn der Reformation.

Durch sein Protestschreiben an den Fuldaer Abt wegen der Abtrennung des Moosgrundes vom 13. März 1525 ist Ludwig Wagenhausen bekannt. Es ist unklar, inwieweit er mit dem 1396 genannten Iohan Wagenhusen verwandt war. In jedem Fall sollte er der letzte katholische Geistliche der Pfarrei Crainfeld sein. Nach seiner Absetzung am 14. November 1527 wurde als erster evangelischer Pfarrer Andreas Nerzig eingesetzt. Möglicherweise war der 1536 genannte Johannes N.N. sein direkter Nachfolger. Von 1555 bis 1567 war Karl Phäling Pfarrer in Crainfeld, von 1580 bis 1606 Paul Kleinschmidt.



Porträt von Pfarrer Karl Frank (1911 bis 1927).

Von seiner vorherigen Pfarrstelle in Kirchhain bei Marburg kam im Jahr 1600 Johannes Dippelius (geb. 1535 in Siegen) nach Crainfeld, wo er bis zu seinem Tod 1612 als Pfarrer amtierte. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Johann Philipp Dippelius (geb. 1590 in Kirchhain, gest. 1667 in Crainfeld). Er erlebte die gesamte Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit all ihren Grausamkeiten und Erschwernissen in Crainfeld mit. Darunter war die Zerstörung des Dorfes, der Kirche und all seiner Dokumente am 1. Juni 1622. Johann Philipp Dippelius hielt all diese Ereignisse schriftlich fest und ist daher der wichtigste und im Grund einzige Zeuge dieser Zeit in Crainfeld. In der Festschrift zur 900-Jahr-Feier der Pfarrei schrieb deren Autor Hermann Knodt, er habe in geradezu heldenhafter Weise bei seiner Gemeinde ausgehalten.

Nach dem Tod von Johann Philipp Dippelius im Jahr 1667 übernahm Johann Georg Köhler (geb. 1637 in Stockhausen, gest. 1670 in Crainfeld) das Pfarramt. Er war der Sohn des Pfarrers Johannes Peter Köhler in Stockhausen und der Anna Maria geb. Dippel und somit der Enkel seines Vorgängers. Seine Ehefrau war Helene Margarete Ellenberger, die Tochter des Crainfelder Oberschultheißen Heinrich Christoph Ellenberger. Sein bleibendes Verdienst war die Neuanlage des Kirchenbuches der Pfarrei Crainfeld, womit er bereits 1659 begonnen hatte.

1670 kam Johannes Keyser (geb. 1635 in Schotten, gest. 1719 in Crainfeld) als neuer Pfarrer nach Crainfeld. Er hatte zuvor ab 1655 Präceptor der Schule in Gießen und ab 1661 als Diakon in Großen-Linden bei Gießen gewirkt. Sein erster Adjunkt war Johann Philipp Lauckhard (geb. 1665 in Reichelsheim, gest. 1734 in Hirzenhain) aus Reichelsheim im Odenwald. Dieser heiratete die Witwe des Crainfelder Schultheißen Heinrich Christoph Ellenberger, um 1693 Pfarrer in Hirzenhain zu werden.

Zweiter Adjunkt von Johannes Keyser war der ab 1694 mit seiner Tochter Helena Katharina Keyser verheiratete Friedrich Wilhelm Köhler (geb. 1669, gest. 1726), der Sohn des Crainfelder Pfarrers Johann Georg Köhler. 1719 erhielt er die Pfarrstelle in Crainfeld. In seiner Amtszeit waren bereits Bestrebungen im Gang, Ilbeshausen als eigene Pfarrei von Crainfeld zu lösen, weshalb er damit begann, die Ilbeshausen betreffenden Seiten aus dem Kirchenbuch zu entfernen und neu zusammen zu binden und das Crainfelder Kirchenbuch anschließend neu zu ordnen. Friedrich Wilhelm Köhler war außerdem sehr an der Geschichte der Pfarrei interessiert. Aus den Notizen seines Vorgängers und Urgoßvaters Johann Philipp Dippelius schrieb er die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges in der Pfarrei nieder. Aus seiner Feder stammen auch jeweils ein Bericht über die Altebergskirche bei Ilbeshausen und ein Grubenunglück im 15. Jahrhundert bei Grebenhain, die in Abschriften erhalten sind.

1727 kam Johannes Vigelius (geb. 1686 in Großen-Linden, gest. 1762 in Crainfeld) nach Crainfeld, nachdem er zuvor ab 1715 die Pfarrstelle in Eschenrod bekleidet hatte. Unter ihm wurde 1728 die bereits eingeleitete Abtrennung von Ilbeshausen als eigener Pfarrei vollzogen.  Ab 1747 nahm sein Sohn Johann Vincenz Vigelius (geb. 1720 in Eschenrod, gest. 1785 in Crainfeld) die Funktion als Pfarrvikar war und wurde nach dem Tod seines Vaters als Pfarrer ordiniert. Ihm folgte sein Schwiegersohn Ludwig Wilhelm Heinrich Rübsamen (geb. 1751, gest. 1814), der Sohn des Crainfelder Schultheißen Johann Peter Rübsamen. Mit seinem Tod am 24. Oktober 1814 endete die Ära der Crainfelder "Pfarrerdynastien" des 17. und 18. Jahrhunderts.

Am 7. April 1815 übernahm Christian Spamer (geb. 1770 in Schotten, gest. 1847 in Crainfeld) die Pfarrstelle in Crainfeld. Seine vorherige Wirkungstätte als Pfarrer war seit 1797 Burkhards gewesen, nachdem er seit 1789 als Rektor an der Stadtschule in Schotten wirkte. Seine Nachfolge trat am 2. Juli 1847 Ludwig Georg Friedrich Bergen (geb. 1791 in Grünberg, gest. 1869 in Darmstadt) an. Er war der Sohn des Pfarrers Heinrich Christian Bergen in Grünberg und zunächst ab 1813 Konrektor der Stadtschule zu Alsfeld, bevor er seit 1818 Pfarrer in Oberhörlen im Kreis Biedenkopf war. In seiner Amtszeit, in die auch die umfangreiche Renovierung der Kirche und der Neubau des Kirchturms fielen, waren im sechs Vikare beigegeben.

Dies war zunächst von 1848 bis 1860 Wilhelm Lehn (geb. 1823 in Diebach am Haag, gest. 1892 in Crainfeld), der auch sein Nachfolger werden sollte, und 1857 mit der Anlage einer Kirchenchronik begann. Von 1860 bis 1864 war Heinrich Gütlich (geb. 1831 in Bauschheim im Kreis Groß-Gerau) Vikar. Er verfasste am 16. September 1860 die Urkunde, die im Kirchturm-Knopf an der Spitze des neu eingeweihten Glockenturms deponiert und erst 2014 geborgen wurde. Wegen Krankheit wurde er am 20. Februar 1864 von dem Pfarrersohn Emil Kraus (geb. 1839 in Nauheim) abgelöst, dem einige Einträge über die Bauarbeiten am Kirchenschiff in der Kirchenchronik zu verdanken sind. Emil Kraus war Hofmeister des Grafen von Erbach-Erbach und trat schon zum 1. Oktober 1865 die Stelle eines Erziehers des Grafensohnes in Erbach an.

Von dort stammte auch sein Nachfolger Adolf Krauß (geb. 1831 in Erbach, gest. 1901 in Bisses im Kreis Büdingen), der ebenfalls nur kurz vom 19. Oktober 1865 bis 28. Dezember 1866 Vikar in Crainfeld war, um dann die Pfarrstelle im benachbarten Ilbeshausen zu übernehmen. Ähnliches gilt für Friedrich Schuster (geb. 1840 in Lauterbach), der von 1866 bis 1867 knapp neun Monate die Vikarstelle in Crainfeld innehatte. Vom 1. September 1867 bis 9. Juli 1869 war Wilhelm Bichmann (geb. 1840 in Butzbach) Pfarrvikar in Crainfeld. Am 15. Dezember 1868 wurde er zum Pfarrer von Bingenheim in der Wetterau ernannt, trat seine Stelle aufgrund einer Bittschrift der der drei Kirchspielsgemeinden Crainfeld, Grebenhain und Bermuthshain, die ihn gerne in Crainfeld belassen wollten, aber nicht an. Aufgrund der geringen Besoldung übernahm er jedoch im Juli 1869 die Pfarrstelle in Queckborn bei Grünberg.



Pfarrer Georg Heinrich Saal mit den Konfirmanden des Kirchspiels Crainfeld im Jahr 1929.

Nach dem Tod von Pfarrer Bergen übernahm am 30. Oktober 1869 sein früherer Vikar Wilhelm Lehn die Pfarrstelle in Crainfeld. Zuvor hatte er von 1860 bis 1869 in Dalsheim im Kreis Worms als Pfarrer amtiert. Wie bereits erwähnt, war sein bleibendes Verdienst die von ihm schon als Vikar 1857 angelegte und begonnene Kirchenchronik von Crainfeld. Er wurde am 1. November 1890 in den Ruhestand versetzt und siedelte nach Büdingen über, wo er auch starb. Wilhelm Lahn hatte vier Vikare. Von Oktober 1888 bis 1889 war dies Albert Junker aus Laubach, dann 1889 bis 1891 Hermann von der Au aus Bosenheim in Rheinhessen und von Ostern bis Herbst 1890 Adolf Allwohn aus Wölfersheim. Der vierte Vikar, Hermann Fuldat, gebürtig aus Grünberg, trat seine Stelle am 29. September 1890 an und wurde nach Lehns Pensionierung Pfarrverwalter und schließlich vom 20. November 1893 und bis zum 20. Oktober 1901 Pfarrer in Crainfeld.

Am 9. Oktober 1910 kam Jakob Walter (geb. 1869 in Ober-Schönmattenwag im Kreis Bensheim, gest. 1923 in Trebur im Kreis Groß Gerau) als Pfarrverwalter nach Crainfeld und wurde am 23. Februar 1902 als Pfarrer ordiniert. Vor seiner Crainfelder Zeit war er 1896 bis 1899 Pfarrverwalter in Lonsdorf (Kreis Gießen) und 1899 bis 1901 Pfarrvikar in Groß-Gerau. Am 6. Juni 1911 übernahm er eine Pfarrstelle in Trebur. Neuer Pfarrer in Crainfeld wurde am 19. Oktober 1911 Karl Frank (geb. 1882 in Rimlos). Bevor er die Pfarrstelle in seinem Heimatkreis Lauterbach antrat, hatte er in den Jahren 1907 bis 1909 Stellen als Pfarrverwalter in Rimbach und Hirschhorn im Odenwald, Pfarrassistent in Pfungstadt, Pfarrvikar in Raunheim und in Hutzdorf bei Schlitz innegehabt. Er beschrieb die Ereignisse des Ersten Weltkrieges und der Nachkriegszeit in der Kirchenchronik. Unter seiner Leitung wurde 1919 eine private Genossenschaftsschule (entsprechend einer Realschule) in Crainfeld ins Leben gerufen. Außerdem konnte in seiner Amtszeit die 900-Jahr-Feier des Kirchspiels am 1. August 1920 begangen werden. Am 9. September 1927 wechselte er auf eine Pfarrstelle in Reiskirchen bei Gießen.

Neuer Pfarrer in Crainfeld wurde nun ab dem 26. Oktober 1927 Georg Heinrich Saal (geb. 1901 in Höllerbach im Kreis Erbach). Ab Mai 1925 war er Pfarrverwalter in Gräfenhausen (Kreis Dramstadt) gewesen, ab August 1925 in Reichelsheim im Odenwald, bevor er am 17. Februar 1927 zum Pfarrassistent der Martinsgemeinde in Darmstadt ernannt worden war. In seiner Amtszeit erschien ab Februar 1928 als kirchliches Nachrichtenblatt für die hessischen Pfarreien die "Heimatglocken" in einer Ausgabe für das Kirchspiel Crainfeld. Die letzte Seite war dabei für Nachrichten und Neuigkeiten aus der eigenen Pfarrei bestimmt. Die "Heimatglocken" konnten in einer Sammelmappe aufbewahrt werden und sollten bis in den Zweiten Weltkrieg hinein kontinuierlich erscheinen.

Politisch stand Pfarrer Saal den Nationalsozialisten nahe und brachte dies auch öffentlich zum Ausdruck. So bezeichnete er die NSDAP im Juni 1932 in den "Heimatglocken" als die deutsche Freiheitsbewegung. In seiner Amtszeit gewannen die Nationalsozialisten in den Gemeinden des Kirchspiels Crainfeld immer mehr an Bedeutung. So wurden im März 1929 in Grebenhain und im April 1930 NSDAP-Ortsgruppen gegründet. Auch bei den Wahlen wurde die NSDAP ab 1930 zur stärksten politischen Kraft. Am 10. September 1932 ging Georg Heinrich Saal als Pfarrer nach Gedern, wo er politisch in gleicher Weise "wirkte".

Pfarrer Alfred Mitzenheim an der Spitze des SA-Aufmarsches in Bermuthshain am 1. Mai 1933.

Am 23. Oktober 1932 trat die wohl problematischste Persönlichkeit, die jemals in Crainfeld als Pfarrer amtiert hat, die Pfarrstelle an. Alfred Mitzenheim (geb. 1900 in Hildburghausen in Thüringen) empfand sich, seinen eigenen Worten in der Kirchenchronik zufolge, als ehrlicher und wahrhaftiger Nationalsozialist. Er hatte 1918 das verkürzte Kriegsabitur in seiner Heimatstadt Hildburghausen im damaligen Herzogtum Sachsen-Meiningen absolviert und danach noch als Soldat am Ersten Weltkrieg teilgenommen. Von 1920 bis 1922 absolvierte er das Studium der Theologie an der Universität Jena. In dieser Zeit war er auch Zeitfreiwilliger in einem Freikorps, das an der Niederschlagung der kommunistischen Aufstände in Mitteldeutschland im März 1921 beteiligt war. Zunächst auf dem Predigerseminar in Eisenach, kam er 1923 als Hilfsprediger in die thüringische Enklave Ostheim vor der Rhön. Nach Stellen als Hilfspfarrer in Breitungen an der Werra und als Pfarrer in Marktgölitz im Landkreis Saalfeld wurde er 1929 Stadtpfarrer in Saalfeld (Saale). Ab März 1932 arbeitete er im Freiwilligen Arbeitsdienst im Evangelischen Jungmännerwerk in Wuppertal.

Alfred Mitzenheim gehörte zur Bewegung der "Deutschen Christen", welche den deutschen Protestantismus an die Ideologie der Nationalsozialisten angleichen wollte, insbesondere auch durch die "Entjudung" der Bibel. Im Winter 1932 hielt er Bibelstunden und Männerabende im Evangelischen Gemeindehaus ab, u. a. unter dem Motto "Nationalsozialismus und Christentum". Er selbst rechnete es sich an, dass er hierdurch die gesamte Einwohnerschaft für den Gedanken des Nationalsozialismus gewonnen habe. Nach dem 30. Januar 1933 fehlte Pfarrer Mitzenheim daher auch als Redner bei keiner der großen Aufmärsche und Propagandaveranstaltungen, mit denen die Ortsgruppen und anderen Gliederungen der NSDAP im Kirchspiel Crainfeld die "Machtübernahme" Adolf Hitlers feierten. Sehr sorgfältig beschrieb er diese in der Kirchenchronik, in der er sich nicht nur seiner Begeisterung über das "Dritte Reich" Bahn brach, sondern auch die Verfolgung der im Ort lebenden Juden beschönigte und rechtfertigte.

Ein Zeugnis von Pfarrer Mitzenheims "Wirken" im Sinn der NS-Ideologie war das von ihm zwischen 1934 und 1937 geschaffene Geschlechtsregister der Pfarrei Crainfeld, das als Ortsfamilienbuch auf den Einträgen in den Kirchenbüchern seit dem Dreißigjährigen Krieg aufbaute. Es war ausdrücklich für die Erstellung der für die "Erbhofbauern" verpflichtenden "Ariernachweise" bestimmt. Ähnliches gilt für die beiden Hofbücher für Crainfeld und Grebenhain, die Pfarrer Mitzenheim auf Basis der alten Brandkataster und des Crainfelder Grundbuchs von 1722 erstellte.

Mit Alfred Mitzenheim verbunden ist auch die im Jahr 1934 durchgeführte Renovierung und Umgestaltung der Crainfelder Kirche. Das heutige Aussehen der Kirche im Inneren geht im Wesentlichen auf ihn zurück. Von seiner Weltanschauung wich er auch nicht ab, als im Herbst 1933 der Zerfall der "Deutschen Christen" begann und auch im Kreis Lauterbach ein Teil der Pfarrer sich der "Bekennenden Kirche" anschloss. Am 2. August 1938 wurde Alfred Mitzenheim aus Crainfeld verabschiedet, nachdem ihm eine Pfarrstelle in Oppenheim in Rheinhessen an der dortigen Katharinenkirche übertragen worden war. Hier hatte sich die Gemeinde während des Kirchenkampfs gespalten. In Oppenheim wurde er 1946 des Amtes enthoben. Seine letzte Pfarrstelle war ab 1949 Monsheim bei Worms.

Weitaus bekannter als der Crainfelder Pfarrer ist sein älterer Bruder Moritz Mitzenheim, der sich anders als er nach 1933 der "Bekennenden Kirche" anschloss und von 1945 bis 1970 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen war. Er vertrat den "Thüringer Weg" einer besonderen Loyalität und Anpassung an die Herrschaft der SED. Ein anderer Bruder, Edgar Mitzenheim, betätigte sich dagegen zunächst ebenfalls als Sympathisant der Nationalsozialisten, bis er 1944 verhaftet wurde. Bei dem Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 stellte er sich an die Spitze der Protestbewegung in seinem Pfarrort Eckolstädt bei Apolda.

Nach Mitzenheims Weggang erhielt Kurt Klöß die Pfarrstelle in Crainfeld, konnte sie aber erst am 16. Oktober 1938 antreten, weil er zuvor eine freiwillige Übung bei der Wehrmacht ableistete. Er war vorher in Oppenheim in Rheinhessen tätig gewesen. Kurz nach Beginn seiner Amtszeit erfolgte im Frühjahr 1939 eine Restaurierung der wertvollen historischen Kirchenbücher, deren Einbände durch die übermäßige Benutzung infolge der Ausstellung der "Ariernachweise" unter Mitzenheim beschädigt waren. Wenige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Pfarrer Klöß am 25. August 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Somit war die Pfarrstelle in Crainfeld während des Krieges fasst durchgehend verwaist. Die Vertretung bei den Gottesdiensten wurde zunächst von Pfarrer Heinrich Lutz von Nieder-Moos übernommen. Von Juni bis August 1940 war dies Pfarrer Walter Markowski aus Freiensteinau, bevor dann wieder von Nieder-Moos aus die gottesdienstliche Betreuung erfolgte.

Pfarrer Helmut Reuter mit den Konfirmanden des Kirchspiels Crainfeld im Jahr 1968.

Nach der Rückkehr von Kurt Klöß wirkte dieser noch bis zum 30. September 1949 in Crainfeld und steuerte die Kirchengemeinde durch die nicht einfachen Nachkriegsjahre. In seiner Amtszeit konnte er am 22. März 1948 die während des Krieges abgelieferten Kirchenglocken wieder in Empfang nehmen. Die Aufstockung des Evangelischen Gemeindehauses erfolgte 1949.

Am 1. Dezember 1949 trat Helmut Reuter (geb. 1912 in Wiesbaden) als neuer Crainfelder Pfarrer seine Stelle an. Er war in Weilburg an der Lahn aufgewachsen und hatte das Predigerseminar in Herborn abgeschlossen. 1938 bis 1939 wirkte er kurz als Pfarrvikar und Hilfsprediger in Pößneck und Gera in Thüringen, bevor er seine erste Pfarrstelle in Wohlmuthausen in der thüringischen Rhön übernahm. In Crainfeld sollte er nahezu ein Vierteljahrhundert lang als Pfarrer wirken, länger als ein irgendein anderer Ortsgeistlicher im 20. Jahrhundert. In seiner Amtszeit erfolgte die Kirchenrenovierung im Jahr 1964 und die 950-Jahr-Feier der Pfarrei Crainfeld im Jahr 1970. Am 31. März 1975 wurde er in den Ruhestand versetzt.

Es folgte eine zweijährige Vakanzzeit. Zum 1. September 1977 wurde Helmut Buchholz, aus Kladrum in Mecklenburg gebürtig, als Pfarrvikar nach Crainfeld berufen. Zuvor war er Vikar an der evangelischen Kreuzkirchengemeinde in Wiesbaden. Im April 1980 wurde er schließlich Pfarrer in Crainfeld. In seine Amtszeit fielen viele Baumaßnahmen an der Kirche und am Gemeindehaus sowie die Anschaffung der vierten Glocke. Sein Nachfolger Ralf Kröger wurde am 21. Januar 1993 ordiniert. Nach mehr als zehnjähriger Tätigkeit verabschiedete ihn die Kirchengemeinde am 1. August 2004 nach Lampertheim verabschiedet, wo er die Pfarrstelle Ost der dortigen Martin-Luther-Gemeinde übernahm. In der Folgezeit war die Pfarrei Crainfeld wieder vakant und wurde durch den Pfarrer von Nieder-Moos, Walter König, mit versehen.

Zum 1. Januar 2006 erhielt Sascha Heiligenthal die Stelle als Pfarrvikar in Crainfeld nach Absolvierung seines Theologiestudiums und Vikariats in Mainz. Während seines Vikariats hatte er für zwei Jahre kirchliche Entwicklungsprojekte in Makumira in Tansania betreut. Am 5. Februar 2006 wurde er als Pfarrer ordiniert. Während seiner sechsjährigen Amtszeit fand am 12. Juni 2011 die 1000-Jahr-Feier der Gründung der Pfarrei Crainfeld statt. Im Oktober 2011 übernahm er die Evangelische St.-Philippus-Gemeinde in Mainz.

Im nun folgenden Jahr war die Pfarrei Crainfeld vakant und wurde vertretungsweise durch die Pfarrer Rolf Ehlert (Stockhausen) und Wolfgang Kratz (Herchenhain) mit versehen. Zum 1. Oktober übernahm Sylvia Puchert als erste Pfarrerin in der Geschichte des Kirchspiels Crainfeld die Pfarrstelle. Sie war von 1980 bis 1982 Vikarin an der Lutherkirche in Wiesbaden und dann von 1982 bis 1993 am Theologischen Seminar in Herborn. Zwischen 1993 und 1995 war Sylvia Puchert Pfarrerin der Luthergemeinde in Rüsselsheim und anschließend geschäftsführende Pfarrerin des des Verbands evangelischer Frauen in Hessen und Nassau.

Die Crainfelder Pfarrkirche

Gemäß dem von Pistorius und Eberhard überlieferten Text der Gründungsurkunde der Kirche zu Crainfeld von 1011 ist davon auszugehen, dass das Gotteshaus in diesem Jahr auch fertiggestellt und dann von dem Fuldaer Abt und Mainzer Erzbischof Erkanbald geweiht wurde. Da es auf den Ort Crainfeld selbst Hinweise in zwei älteren Urkunden aus dem 9. Jahrhundert und dem Jahr 900 gibt, ist es denkbar, dass an der Stelle der heutigen Pfarrkirche damals bereits eine (möglicherweise hölzerne) Kapelle existierte. Die 1011 dem heiligen Ulrich geweihte Kirche kann jedoch baulich nicht identisch gewesen sein mit der dem Stil nach erst später erbauten heutigen. im Jahr 1964 wurden bei Baggerarbeiten für die neue Ölheizung Fundamentmauern gefunden, die der damalige Pfarrer Reuter als Überreste dieser Kirche interpretierte. Ihr einziger Überrest ist wahrscheinlich der in die romanische Zeit zu datierende Taufstein.

In der Zeit des Übergangs von der Romanik zur Gotik, also im 13. Jahrhundert, wurde der erste bekannte Kirchturm an der Westseite errichtet. Sein Aussehen ist durch einen kurz vor dem Abbruch im Jahr 1858 angefertigten Situationsplan überliefert. Demnach war der Turm von eher gedrungener Gestalt und wies eine Höhe von 83 Schuh (ein altes hessisches Längenmaß) oder rund 21 Metern auf. Er zeigte unverputztes Bruchsteinmauerwerk und eine Pforte an der Südseite sowie etwa auf halber Höhe darüber ein Fenster, beide mit einem romanischem Rundbogen abgeschlossen. Die beiden Fenster im Oberteil zeigten dagegen bereits gotische Spitzbögen.

Situationsplan der Crainfelder Kirche mit Außenansicht und Grundriss aus dem Jahr 1858.

Vermutlich um 1300 entstand der rein gotische Chor mit zweijochigem Kreuzrippengewölbe. Er schließt an der Ostseite gerade ab. Aufgrund des erhaltenen gotischen Türportals an der Südseite kann mit Sicherheit angenommen werden, dass auch das Langhaus der Kirche ursprünglich zur gleichen Zeit gebaut wurde. Angebaut an den Chor befand sich zudem eine Sakristei, die ebenfalls gotische Formen aufwies. Der Bau der Kirche erfolgte zu einer Zeit, in der die Pfarrei Crainfeld einen gewissen Wohlstand aufgewiesen haben muss. Ein Indiz hierfür ist u. a. der urkundlich für das 14. Jahrhundert belegte Anteil an einer Korngülte im mehr als 50 km entfernten Kilianstädten in der Wetterau.

Diese Urkunden überliefern auch einen dem heiligen Nikolaus geweihten Altar, zu dem die Korngülte gehörte, und der von einem Altaristen betreut wurde. Es ist wahrscheinlich, dass es daneben mindestens noch einen weiteren Altar gab. In den 1980er Jahren vermutete der Heimatforscher Friedrich Müller, dass ein Hauptaltar weiterhin dem heiligen Ulrich und ein Nebenaltar dem heiligen Nikolaus geweiht war. Wer den St.-Nikolaus-Altar und die zugehörige Altaristenstelle stiftete, ist nicht bekannt. Eine spätere Urkunde von 1452 überliefert aber, dass es in mittelalterlicher Zeit durchaus namhafte Stifter gab, in diesem Fall Hermann II. Riedesel zu Eisenbach und seine Gemahlin Margarethe, die ihre Äcker in der Lanzenhain bei Crainfeld der Pfarrei als Seelgerät (Vermächtnis an die Kirche) gaben.

Um die Kirche herum befand sich der Friedhof des Dorfes Crainfeld. Erst im Jahr 1825 wurde der heutige evangelische Friedhof am Nordende des Ortes angelegt. Als erster wurde dort am 24. Juni 1825 der Organist und Schulmeister Heinrich Jakob Weitz zur letzten Ruhe gebettet. Der Crainfelder Kastenmeister (Kirchenrechner) Konrad Ruhl war dagegen zehn Tage zuvor noch an der Kirche beerdigt worden. Die alten Grabsteine und Grabkreuze blieben zunächst stehen. Noch der hessische Historiker Johann Philipp Dieffenbach, der zwischen 1843 und 1845 Oberhessen bereiste, erwähnte in seinem Bericht den Grabstein des Crainfelder Schultheißen Buff direkt an der Kirchenmauer. Auch der Crainfelder Pfarrer Johann Philipp Dippelius hatte ein Grabmal direkt neben der Kirche. Nach und nach wurden aber alle Grabstätten abgeräumt und wichen dem heutigen parkähnlichen Anblick.

Die einst reich ausgestattete mittelalterliche Crainfelder Kirche wurde am 1. Juni 1622 gäntzlich, was das Gehöltz samt dem Turm und Dachwerck belanget, im Feuer ruiniret und unbrauchbar gemacht. Von der Zerstörung blieben nur noch das Mauerwerk des Turmes, die Außenmauern des Langhauses sowie der Chorraum und die Sakristei erhalten. Die gesamte Ausstattung wurde vernichtet, alle wertvollen Gegenstände gestohlen. Der Abendsmahlkelch soll als einziges dem Raub entgangen und später wieder aufgetaucht sein, wovon eine Sage berichtet. Auch das Kirchengeläut wurde zerstört. Mit dem Wiederaufbau der Ruine konnte erst 1625 begonnen werden. Im Abschied der hessischen Generalkirchenvisitation von 1628 wird festgestellt, dass die Kirche noch nit fertig sei. Im Jahr 1629 konnte die Wiederherstellung des Gotteshauses abgeschlossen werden. Zuvor war 1627 der Neuguss der ältesten heute noch erhaltenen Glocke erfolgt. Sie zeigt der Abbildung von Maria und dem Jesuskind und einer Kreuzigungsgruppe den Spruch: Gottfried Köhler zu Kassel gos mich; durch Feiwer flos ich; nach Crainfeld geherich, Anno 1627.

Eine grundlegende Erneuerung der Kirche wurde dann im Jahr 1667 vorgenommen. Die ursprüngliche Bauweise des Kirchendaches in Form einer gotischen Gewölbedecke wurde durch eine Flachdecke ersetzt, die auf vier riesigen Säulen aus Eichenholz ruhte und mittels eines Hängewerks unter dem Dach befestigt war. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass bereits beim Wiederaufbau zwischen 1625 und 1629 auf die Wiederherstellung des gotischen Gewölbes verzichtet wurde. Auch die Außenmauern des Langhauses dürften mit Ausnahme der unteren Teile neu erbaut worden sein. Der Kircheninnenraum wurde seiner noch vorhandenen gotischen Formen aber vollständig entkleidet, so durch die Neugestaltung der Fensteröffnungen im Langhaus in ihrer heutigen Form.

Auch die gesamte Innenausstattung der Kirche dürfte auf das Jahr 1667 zurückgehen, insbesondere die Emporen und die Kanzel. Die dreiseitige Empore erhielt in den Brüstungsfeldern Malereien, welche die Taufe Jesu Christi und Szenen aus der Passion, darunter eine große Darstellung des Abendmahls, zeigen. Außerdem wurden die Brustbilder der Apostel auf der Nordempore angebracht. Die Kanzel ist dem Geschmack der Barockzeit gemäß reich verziert mit Puttenköpfen, gedrehten Ecksäulen und Muschelnischen. Getragen wird sie von der Figur des Moses mit den Gesetzestafeln. Erstmals nachgewiesen ist 1666 auch der Einbau einer Orgel, die auf der Empore gegenüber der Kanzel ihren Platz fand. Auf den einzelnen Emporen und Bänken galt ursprünglich eine genau geregelte Sitzordnung. So hatten die drei Kirchspielsgemeinden Crainfeld, Grebenhain und Bermuthshain ihre eigenen, fest zugewiesenen Sitzplätze.

Zwei weitere Glocken wurden in den Jahren 1775 und 1779 in Gießen gegossen. Es ist unklar, ob das Geläut schon vorher aus drei Glocken bestand. Sie tragen die Inschriften Ich, Joh. Philipp Henschel und Friedrich Wilhelm Otto in Gießen goß mich 1775 und Anno 1799 goß mich in Gießen Friedrich Wilhelm Otto.

Situationsplan der Crainfelder Kirche mit Schnitt und Grundriss der Emporen aus dem Jahr 1858.

Der Kirchturm war zwar bis 1627 ebenfalls wieder instandgesetzt worden, erwies sich aber zunehmend als baufällig. Schon 1683 erklärte der damalige Niddaer Amtmann Gambs einen Neubau für notwendig, der aber aus Mangel an Geldmitteln unterbleiben musste. 1702 wurde berichtet, dass diesen Sommer und Johanni aus besagtem Kirchturm ein sehr großes Stück Maur außgefallen sei. Man musste sich aber damit begnügen, mit einem Kostenaufwand von 500 Gulden die schlimmsten Schäden am Turm zu beseitigen. Ähnliche Reparaturarbeiten wurden noch in den Jahren 1818 und 1833 vorgenommen. Dann verlangten im Sommer 1856 das Großherzogliche Bauamt in Alsfeld und das Großherzogliche Oberaufsichtsamt einvernehmlich einen Abbruch und Neubau des Kirchturms.

Der Abbruch des alten Turms erfolgte schließlich 1858. Am 27. Januar 1859 wurden die Bauarbeiten für den Neubau vergeben. Für die Handwerkerarbeiten ohne Materiallieferung wurden Baukosten von über 5.403 Gulden veranschlagt. Geplant wurde der neue Turm von dem Kreisbaumeister Christian Horst aus Alsfeld. die Maurermeister waren Johannes Wies und Johannes Meinhardt aus Ober-Moos und der Steinhauermeister Johannes Kiel aus Landenhausen. Die Sandsteine stammten aus dem Steinbruch Hauswurz, die Basaltsteine aus dem Steinbruch Nieder-Moos. Die feierliche Grundsteinlegung zum neuen Kirchturm fand am 19. Juni 1859 statt. Voraus ging ein Festzug mit den Grundsteinurkunden, die von Mädchen in weißen und roten Schärpen getragen und von einer Musikkapelle begleitet wurden, von Bermuthshain über Grebenhain nach Crainfeld zur Baustelle.

Errichtet in Basaltsteinmauerwerk, weist der 48 m hohe Kirchturm neogotische Formen, dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend, auf, mit großen dreibahnigen Fenstern im oberen Geschoß und einem repräsentativen Eingangsportal mit Treppe an der Westseite. Seine Einweihung fand am 16. Juni 1860 statt. Nach Einleitung des Festes um 8 Uhr morgens mit dem vom Turm herab geblasenen Choral "Allein Gott in der Höh" fand um 10 Uhr Gottesdienst statt. Anschließend wurde im Festzug der Wetterhahn bei dem örtlichen Schreinermeister Heinrich Flach I. abgeholt und auf dem Turmknopf angebracht, in dem zuvor eine von Pfarrvikar Gütlich verfasste Urkunde deponiert wurde. Es dauerte aber noch bis zum 12. Mai 1861, ehe auch die Glocken erstmals vom Turm herab läuteten. Sie waren während der Bauarbeiten in einem provisorischen Glockenstühl auf dem Kirchhof aufgehängt worden.

Nach der Erbauung des neuen Kirchturms erfolgte von 1864 bis 1865 eine größere Restaurierung des Kirchenschiffs. Dabei wurde allerdings auch die noch aus dem 14. Jahrhundert stammende Sakristei trotz Protest von Seiten des damaligen Pfarrvikars Emil Kraus, der sich bemühte, dieselbe wegen ihres Altertums und ihrer schönen gothischen Formen zu erhalten, abgerissen und eine neue gebaut. Während dieser Abbrucharbeiten an der Sakristei wurden alte Münzen aus den Jahren 1535 bis 1648 gefunden, die mutmaßlich in der Endphase des Dreißigjährigen Krieges dort verborgen wurden. Bereits 1714 war beim Ausschachten eines Grabes an gleicher Stelle ein Münzhort ergraben worden. Die Gesamtkosten für den Neubau des Turmes und die Erneuerung des Kirchenschiffes betrugen über 40.000 Gulden. Am 10. September 1865 wurde die Kirche schließlich unter großer Beteiligung der Bevölkerung der drei Kirchspielsorte und der Geistlichen der Nachbarpfarreien wieder geweiht.

Eine weitere größere Renovierung im Inneren erfolgte in den Jahren 1894 bis 1895. Dabei wurde der Kirchenraum neu ausgemalt und eine neue Orgel angeschafft, gebaut von der Orgelbaufirma Förster & Nikolaus. In diesem Zustand blieb die Kirche auch in den folgenden drei Jahrzehnten, abgesehen vom Einbau einer elektrischen Heizung im Jahr 1929, die sich bald aber als völlig unbrauchbar herausstellte. Auch die Orgel funktionierte nicht zufriedenstellend, zudem erwies sich der Kircheninnenraum als zu klein.

Der Innenraum der Crainfelder Kirche kurz nach der großen Renovierung im Jahr 1934.

Nachdem durch das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung umfangreiche Zuschüsse in Höhe von 1.400 RM in Aussicht gestellt worden waren, beschloss im Jahr 1933 der Crainfelder Kirchenvorstand unter Pfarrer Mitzenheim einstimmig die Erneuerung des Gotteshauses. Vor Beginn der Arbeiten im Inneren wurde das Kirchendach teilweise neu gedeckt. Die Renovierung im Inneren begann am 2. Januar 1934 und war nach zwölf Wochen abgeschlossen. Die Emporen wurden um 60 cm abgesenkt und zwischen den Heiligenbildnissen mehrere Ehrentafeln für die evangelischen Kriegsgefallenen der vier Kirchspielsorte Crainfeld, Grebenhain, Bermuthshain und Vaitshain angebracht. Die Anbringung dieser Ehrentafeln ist sehr wahrscheinlich aus dem Zeitgeist, d. h. der nationalsozialistischen "Heldenverehrung" der Kriegsgefallenen, zu erklären.

Mit der Renovierung erhielt auch die Kanzel wieder ihren ursprünglichen Schalldeckel und als Unterbau die Figur des Moses, die wohl bei dem Umbau in den 1860er Jahren entfernt und auf den Dachboden verbannt worden war. Interessanterweise war es der nationalsozialistisch und antisemitisch gesinnte Pfarrer Mitzenheim, der die Aufstellung der Figur des jüdischen Propheten gegen den heftigen Widerspruch seiner Ansicht nach "übereifriger" örtlicher Nationalsozialisten durchsetzte. Die Fenster im Chorraum wurden nach den Vorgaben des vormaligen Denkmalpflegers für die Provinz Oberhessen und Konsistoralbaumeisters der Evangelischen Landeskirche Hessen, Heinrich Walbe, erneuert. Der Kircheninnenraum wurde unter Leitung des Darmstädter Kirchenmalers Kinzel ebenfalls neu ausgemalt.

Die fast 230 Jahre alten Eichensäulen wurden beseitigt, um zu einem helleren und geräumigeren Erscheinungsbild der Kirche beizutragen. Sie wurden anschließend zerschnitten und als Lager für den neuen Fußboden im Kirchenschiff verwendet. An ihrer Stelle wurden unter dem Kirchendach zwei große Hängewerke angebracht, an denen die gesamte Decke des Kirchenschiffs freitragend aufgehängt wurde. Schließlich wurde auch die erst 1929 eingebaute elektrische Kirchenheizung, die aufgrund eines Berechnungsfehlers von Beginn an eine komplette Fehlinvestition gewesen war, wieder entfernt und durch eine Warmluftheizung ersetzt. Bei der Grabung des Heizungskellers wurden, wie 30 Jahre später beim Bau der Ölheizung, zahlreiche alte Gräber unter dem Kirchenboden gefunden, aber nicht näher untersucht.

Die im Jahr 1865 entstandene neue Sakristei, von Pfarrer Mitzenheim dem architektonischen Zeitgeist der 1930er Jahre entsprechend als scheußliches Machwerk des 19. Jahrhunderts mit Zinnen + Türmchen wie ein Zuchthaus bezeichnet, wurde entfernt und wiederum durch eine Neukonstruktion ersetzt. Insgesamt verschlang die große Kirchenrenovierung rund 10.000 RM. Durch die zahlreichen Hand- und Spanndienste der Gemeindemitglieder aus Crainfeld und den Filialdörfern konnten aber bis zu 2.000 RM eingespart werden. Am Palmsonntag 1934 fand schließlich im Beisein des Landesbischofs der neu gegründeten Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen, Ernst Ludwig Dietrich und des Lauterbacher Kreisdirektors und NSDAP-Kreisleiters Otto Lang die Einweihung der renovierten Kirche im Rahmen eines Festgottesdienstes statt, wozu nahezu sämtliche Einwohner der drei Kirchspielorte erschienen waren.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten die beiden kleineren Glocken von 1775 und 1799, im Ersten Weltkrieg noch verschont, zur Einschmelzung für die Kriegsrüstung abgeliefert werden. Mit etwa 90.000 anderen Glocken aus dem gesamten Deutschen Reich gelangten sie auf den "Glockenfriedhof" nahe dem Hamburger Hafen in Hamburg-Veddel. Bis auf einen Rest von 15.000 wurde die Mehrzahl der dort lagernden Glocken auch tatsächlich ein Opfer des Schmelzofens. Bei der Sicherstellung und Erfassung des Glockenlagers nach Kriegsende konnten die beiden Crainfelder Glocken in Hamburg aufgefunden und identifiziert werden. Im März 1948 wurden sie nach Crainfeld zurückgebracht und durch den Grebenhainer Zimmermann Kreim wieder im Kirchturm aufgehängt.

Die 1934 getroffene Entscheidung, die Kirchendecke freitragend aufzuhängen, erwies sich als Konstruktionsfehler und hätte 1949 sogar beinahe zum Einsturz des gesamten Kirchendachs geführt, weshalb "Nachbesserungen" erforderlich wurden. In der Amtszeit von Pfarrer Reuter wurde von 1964 bis 1966 eine erneute umfangreiche Kirchenrenovierung statt. Dabei wurden im Laufe der Jahre aufgetretene Risse im Mauerwerk mit Beton ausgegossen und die Außenmauern neu verputzt. Der Kircheninnenraum wurde abermals neu gestaltet und außerdem eine neue Orgel unter Verwendung der noch brauchbaren Pfeifen des Vorgängers aufgestellt. Das Kopfsteinpflaster auf dem Kirchhof wurde durch Betonplatten ersetzt. Umfangreiche Bauarbeiten und erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz erforderte der Einbau einer neuen Ölheizung.

Der alte romanische Taufstein an seinem Standort außerhalb der Kirche im Jahr 1965.

Bei den Ausschachtungen für einen Warmluftkanal stieß man, wie schon 1934 rund 60 cm unter dem Fußboden des Mittelgangs auf mehrere alte Gräber, in denen noch unversehrte Skelette in Bestattungsrichtung nach Osten lagen. Bei einem der Bestatteten handelte es sich um einen Johannes Lauckhard aus Reichelsheim, der im Januar 1690 aufgrund eines Brustleidens nach 14 Tagen unter starken Schmerzen starb. Er war ein naher Angehöriger des nachweislich bis 1693 in Crainfeld tätigen Pfarradjunkten Johann Philipp Lauckhard. Seine und eine weitere gut erhaltene Grabplatte wurden zunächst ins Freie gebracht und an der Kirchenmauer aufgestellt. Erst seit 2006 haben sie einen vor der Witterung geschützten Standplatz im Erdgeschoß des Turms.

Von Mai bis Juni 1971 wurde dann noch das Dach des Kirchturms neu eingedeckt. Die bisherige Schieferdeckung, wie beim Kirchenschiff und Chor, wich nun einem Kupferdach, da bei stürmischem Wetter immer wieder einzelne Schieferplatten vom Turm herabgeschleudert worden waren. Auch der Wetterhahn wurde bei dieser Gelegenheit, wie schon 1934, von der Turmspitze herabgeholt und von Schreinermeister Heinrich Flach IV. neu vergoldet.

Bis 1981 stand der alte romanische Taufstein, zeitweise von Efeu überwachsen, auf dem Kirchhof außerhalb des Gotteshauses. Seit wann dies der Fall war, ist nicht überliefert, doch fehlt der Taufstein bereits auf dem Situationsplan von 1858. So spricht alles dafür, dass er schon beim Umbau 1667 oder beim Wiederaufbau nach 1625 aus der Kirche entfernt wurde. Bereits 1964 war eine Wiederaufstellung in der Kirche angedacht worden, aber erst 1981 wurde der Taufstein unter freiwilliger Mithilfe vieler Gemeindemitglieder in das Kirchenschiff gebracht und am 17. Mai 1981 im Rahmen eines Taufgottesdienstes eingeweiht.

In der Amtszeit von Pfarrer Buchholz geschahen weitere wichtige Bauarbeiten an der Kirche. 1986 wurde die Kirchenheizung erneuert. Am 9. Dezember 1990 konnte die neue Orgel auf der Mittelempore, gebaut von der Orgelbaufirma Link aus Giengen an der Brenz, eingeweiht werden. Im gleichen Jahr wurde die älteste Glocke von 1627 zur Restaurierung in die Glockengießerei Rincker in Sinn gebracht. Dort wurde am 30. August 1991 auch die neue vierte Glocke für die Crainfelder Kirche gegossen. Sie trägt den Namen "Friedensglocke" und die Inschrift: O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort. Am 7. September 1991 wurden beide Glocken nach einer Rundfahrt durch die Filialorte Bermuthshain, Grebenhain, Vaitshain und Crainfeld mit einem großen Autokran auf ihren Platz im Glockenstuhl befördert und am 15. September 1991 im Rahmen eines Gemeindefestes geweiht.

Durch den Orkan "Kyrill" am 18. Januar 2007 wurden größere Teile der Kupferbedachung vom Kirchturm heruntergerissen. Bei der Reperatur wurden in den folgenden Monaten weitere teils schwerwiegende Schäden am Turm entdeckt, die in den folgenden Jahren unter hohen Kosten behoben werden mussten. 2013 wurde das Dach der Kirche neu gedeckt. Nach einem Blitzschlag musste 2014 ein neuer Kirchturmknopf angebracht werden, in dem auch eine neue Urkunde deponiert wurde. Bei dieser Gelegenheit holte man auch den Wetterhahn von der Turmspitze herunter und vergoldete ihn neu.